Bildungsfahrt der HBS Rodgau nach Kreisau und Auschwitz

34 Schülerinnen und Schüler aus dem Jahrgang 9 der Heinrich-Böll-Schule Rodgau nahmen vom 01.-05.Juni 2026 an einer freiwilligen Bildungsfahrt nach Polen teil.
Gemeinsam mit den Lehrkräften Victoria Vonderbank, Martina Vrenegor und Andreas Winterhalder besuchten sie u.a. die von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnete Friedenskirche in Schweidnitz, die Altstadt von Breslau (Wroclaw), das ehemalige Konzentrations- und Vernichtungslagerlager Auschwitz, sowie auf der Rückfahrt nach Rodgau die Altstadt von Dresden mit der symbolträchtigen Frauenkirche. Der Widerstand gegen den Naziterror war ein besonderer Schwerpunkt dieser Fahrt.
So wohnten die Gruppe in der internationalen Begegnungsstätte und Gedenkstätte in Kreisau (Krzyzowa), welche sich auf dem ehemaligen Hofgut der Familie von Helmuth James von Moltke (1907-1945), dem letzten deutschen Besitzer, befindet. Er war Jurist und Mitbegründer (gemeinsam mit Peter Yorck von Wartenburg) und informeller Kopf einer Gruppe von Gegnern des Nationalsozialismus, die später von den Nazis als „Kreisauer Kreis“ bezeichnet wurde. Etwa 25 Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Richtungen diskutierten insgesamt dreimal im Berghaus in Kreisau während des Krieges über die Frage, wie Deutschland und Europa nach Ende der Naziterrorherrschaft friedlich wieder aufgebaut werden könnten. Helmuth James von Moltke schrieb im Gefängnis an seine Frau nach Kreisau: „Wir werden gehenkt, weil wir zusammen gedacht haben.“ Außer ihm, wurden sieben weitere Mitglieder dieser besonderen Widerstandsgruppe von den Nazis hingerichtet.
Während der Woche in Kreisau wurde auch das berühmte Berghaus nach einer längeren Renovierungs- und Modernisierungsphase feierlich wiedereröffnet. Ehrengast war Helmuth Caspar von Moltke, der letzte lebende Sohn von Helmuth James und dessen Frau Freya von Moltke (1911-2010). Die HBS-Gruppe traf auch Maria Lauper, die während des Krieges mehrere Male zu Gast war bei ihrer Tante Freya und ihrem Onkel Helmuth James, und anlässlich der Wiedereröffnung des Berghauses extra aus der Schweiz zusammen mit ihrer Tochter angereist war.
Kreisau ist aber nicht nur ein Symbol für den Widerstand gegen das Naziregime, sondern steht gleichzeitig auch für Versöhnung zwischen Polen und Deutschland. So nahmen der damalige deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl und der polnische Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki am 12. November 1989 in Kreisau an der historischen „Versöhnungsmesse“ (Msza pojednania) teil und gaben sich als Zeichen des Friedens die Hand und umarmten sich, was gleichzeitig auch ein symbolisches Zeichen für die deutsch-polnische Versöhnung bedeutete.
Wir leben zum Glück nicht mehr in solch einer menschenverachtenden Diktatur, wie es leider von 1933 – 1945 der Fall war in Deutschland. Was können wir heute für eine bessere Welt tun? Die Teilnehmer der Polenfahrt haben 100 Euro für UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, gespendet.
Auch die Völkerverständigung kam nicht zu kurz. So gab es zwei Freundschaftsspiele in der Sporthalle der Partnerschule in Turawa (Publiczna Szkoła Podstawowa w Turawie). Zunächst spielte das Mädchenteam der HBS gegen die Mädchen aus Turawa. Sie gewannen das Spiel mit 3:0. Unter den Augen von Ehrengast Manfred Prediger, der den Kontakt zur Schule vor Jahren vermittelt hatte, und Schuldirektorin Aneta Barlog behielten dann aber die Jungs aus Turawa gegen die HBS-Jungs mit 9:3 die Oberhand. Die zahlreichen polnischen Zuschauer sorgten für eine tolle Stimmung. Ein gemeinsames Mittagessen rundete die schöne Begegnung ab.
Die Heinrich-Böll-Schule Rodgau führt seit 2015 regelmäßig Studienfahrten nach Polen durch, damit die Schüler sich an Originalschauplätzen über Verfolgung und Widerstand während des 2. Weltkrieges ein eigenes Bild machen können. Hierbei kommt es auch immer wieder zu Begegnungen zwischen deutschen und polnischen Schülern.
Text: Andreas Winterhalder (08.06.2026)