Jeder Name zählt - Vielfältiges Gedenken an NS-Opfer an der HBS

Schüler der HBS Rodgau beim Gedenkstein in Rollwald am 08. Mai 2026
Schüler der HBS Rodgau beim Gedenkstein in Rollwald am 08. Mai 2026

Im 9. Jahrgang der Heinrich-Böll-Schule steht für alle Klassen seit vielen Jahren der Besuch einer Gedenkstätte für Opfer des Nationalsozialismus verpflichtend auf dem Programm. So wurden in der Vergangenheit u.a. die Gedenkstätten in Buchenwald, Dachau, Natzweiler-Struthof oder auch in Hadamar besichtigt. Darüber hinaus bietet die Schule seit 2015 regelmäßig eine freiwillige Studienfahrt nach Polen an, auf denen das ehemalige Konzentrationslager Groß-Rosen oder das ehemalige Vernichtungs- und Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau fester Programmpunkt sind.

Dieses Jahr beschäftigen sich drei 9.Klassen mit dem ehemaligen NS-Strafgefangenlager in Rollwald. Dort waren im Zeitraum von 1938-1945 insgesamt etwa 10.000 Menschen für eine kürzere oder längere Zeit inhaftiert, rund 200 Menschen starben in Folge schlechter Haftbedingungen. Nach heutigem Maßstab hätte mindestens ein Drittel der Häftlinge überhaupt nicht verhaftet werden dürfen. Sie waren aus politischen und/ oder religiösen Gründen verhaftet worden, Meinungsfreiheit duldeten die Nazis nicht.

Auf dem ehemaligen Lagerfriedhof steht ein Gedenkstein für die Opfer, sowie mehrere Informationstafeln und Kunstinstallationen, die aus dem Gedenkort gleichzeitig auch einen Lernort machen. Die Rollwald-AG des Vereins MUNAVERO e.V. (Multinationale Verständigung Rodgau) kümmert sich seit vielen Jahrzehnten vorbildlich um die Gedenkstätte, die seit einigen Jahren auch offiziell Mitglied ist bei der LAG Hessen (Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Hessen).

Darüber hinaus beschäftigen sich viele Klassen und Kurse der Mittelstufe (Jahrgang 8-10) in den letzten zwei Wochen mit dem größten digitalen Erinnerungsprojekt, welches es aktuell für NS-Opfer gibt.

Im Umfeld des diesjährigen internationalen UNESCO-Projekttags zu dem Thema „Grenzen überwinden“ gab es die Möglichkeit der Teilnahme an der Crowdsourcing-Initiative „#everynamecounts“ (Jeder Name zählt) der Arolsen Archives.

So beteiligten sich die HBS neben vielen weiteren deutschen UNESCO-Projektschulen an der Digitalisierung der sogenannten „Befreiungsbögen“ bzw. „Fragebögen für Insassen der Konzentrationslager“, die direkt nach der Befreiung der Konzentrationslager 1945 von der US-Armee eingeführt wurden. Sie dienten dazu, die Situation der befreiten Häftlinge zu erfassen und über ihre offizielle Entlassung zu entscheiden. Die Dokumente wurden vom amerikanischen Militär in Paris gedruckt und in verschiedenen Lagern. Sie enthielten u.a. persönliche Angaben sowie Informationen zu den Haftbedingungen und zum Verfolgungsweg.Die HBS-Schüler arbeiten zu den Buchenwaldfragebögen, von denen es rund 56.000 gibt und leisteten einen wertvollen Beitrag mit ihrer Arbeit.

Die Arolsen Archives – International Center on Nazi Persecution sind das internationale Zentrum über NS-Verfolgung mit dem weltweit größten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Jeder Mensch kann weltweit an der Initiative mitmachen.

Text und Bild: A. Winterhalder, 08.Mai 2026