soziale Projekte 2016


HBS-Schüler erinnern mit Origami-Kranichen an Fukushima

 

Zum Jahrestag der Fukushima-Katastrophe haben Schüler gemeinsam mit der Origami-AG von Frau Hermsen mit Plakaten, einem Kirschbaum und selbstgefalteten Kranichen an die Katastrophe vor fünf Jahren in Fukushima erinnert.

 



Am 11. März 2011 löste ein Erdbeben vor der Küste Japans eine Kettenreaktion aus, deren verheerenden Folgen auch uns trafen. Um an diese Jahrhundertkatastrophe zu erinnern, hingen die Klimabeauftragten der Heinrich-Böll-Schule, die Energie-AG und die Origami-AG selbstgefaltete Kraniche an einen Kirschbaum vor der HBS. Dieser Kirschbaum wurde letzten Mai im Rahmen der Botschafter-Konferenz von „Plant-for-the-Planet“ gepflanzt. Die Kirschblüte wird in Japan als Symbol des Lebens gefeiert und einen selbstgebastelten Kranich zu verschenken, bedeutet Glück bzw. einen Wunsch schenken. Die Schüler und Schülerinnen wünschen der japanischen Bevölkerung und sich selbst eine „Strahlungsfreie Zukunft“.
Leben und Glück, das hätten sich auch die „Samurai von Fukushima“ gewünscht. Ingenieure und Arbeiter, die „freiwillig“ in die strahlende Hölle und damit in den eigenen Tod gingen, um den Austritt radioaktiver Strahlung zu begrenzen. Aber von Anfang an:  Nur 15 Minuten nach dem Beben im Meer überrollte ein Tsunami die Küste Japans. An diesem Küstenteil stand auch das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi. Ein 5,7 Meter hoher Damm sollte das AKW schützen. Aber bei einer Flutwelle von 14 Meter Höhe wurde das Reaktorgebäude einfach überschwemmt. Durch das eindringende Wasser fiel der Strom und damit alle Sicherheitssysteme aus. Die Brennstäbe heizten sich immer mehr auf, es kam zur Kernschmelze. Am folgenden Nachmittag explodierte Block 1. Ein Tag später das Betongebäude von Reaktorblock 3 und am dritten Tag Block 4. Radioaktives Jod, Cäsium und Strontium entwichen in einer riesigen Strahlenwolke. Um das AKW wurde eine Fläche so groß wie Belgien radioaktiv verseucht, hunderttausend Menschen evakuiert. Japan rief Gefahrenstufe 7 aus, genau wie beim Super-Gau von Tschernobyl 1986. Stufe 7 bedeutet, dass die Strahlung überall ist: In der Luft, im Wasser, in der Erde. Durch die Verstrahlung konnte Japan keine Lebensmittel mehr exportieren. Der Stromausfall führte zu Produktionsausfällen und Firmenschließungen in Japan. Da viele japanische Firmen Zulieferer für deutsche Firmen sind, kam es auch in Deutschland zu Produktionsausfällen.
In Deutschland änderte die Politik auf Grund der Reaktorkatastrophe ihre Haltung zur Atomenergie. Die Regierung beschloss den Atomausstieg bis 2022. Auch die Mehrheit der japanischen Bevölkerung lehnt einen Neustart in Atomenergie ab. Aber die Atomlobby ist stark. Die Strombetreiber mussten nach dem GAU Atomstrom durch Strom aus Wärmekraftwerken ersetzten und hohe Verluste verbuchen. Aber für Strom aus Kernenergie in einem bekanntermaßen erdbebengefährdeten Gebiet zahlt die ganze Menschheit letztendlich einen viel höheren Preis. Immer wieder kam es zu in den letzten fünf Jahren zu weiteren Störfällen in der AKW-Ruine in Fukushima. Im Sommer 2013 liefen beispielsweise über 300.000 Liter (300 Tonnen) radioaktiv belastetes Wasser ins Grundwasser und ins Meer. Die Katastrophe geht also noch weiter und etliche AKWs auf der ganzen Welt haben Sicherheitsmängel. Der Wunsch junger Menschen nach einer „Strahlungsfreien Zukunft“ ist also mehr als verständlich.