100. Geburtstag einer großartigen Frau, Trude Simonsohn

 

Vor fast 10 Jahren – im September 2011 - haben Mitglieder des Vereins munaVeRo ein Zeitzeugengespräch von Rodgauer und Frankfurter Schüler*innen der 10. Jahrgangsstufe mit ihr begleitet und auf Video mitgeschnitten. Die Bildungsorganisation LEA der GEW hatte dazu ins Frankfurter Gutleuthaus eingeladen. Die Schüler*innen  der Heinrich Böll Schule in Rodgau wurden von den Lehrern Andreas Winterhalder und Elske Ostermann-Knopp begleitet. Keiner fuhr unbeeindruckt von dem Gespräch nach Hause.

 

Trude Simonsohn wurde am 25. März 1921 in Olmütz (Olomouc) im heutigen Tschechien geboren und besuchte dort, wie sie selbst im Gespräch berichtet, eine tschechische Grundschule und ein deutsches Gymnasium. Ihre weitgehend glückliche Jugend endete mit der deutschen Besetzung. Was dann folgte, berichtet sie in dem aufgezeichneten Gespräch, geht auch gerne auf Schülerfragen ein. Nur die Frage, wie es in Auschwitz war, kann sie nicht beantworten. Diese schreckliche Zeit hat eine Lücke in ihrem Bewusstsein hinterlassen – sie spricht von „einer Ohnmacht der Seele“ in die sie dort verfallen ist.


Viele Jahre lang hat Frau Simonsohn Zeitzeugengespräche an Schulen oder mit Schülern geführt - inzwischen ist sie leider zu alt dafür. 2016 wurde sie - auch deshalb - zur ersten weiblichen Frankfurter Ehrenbürgerin ernannt, da war sie schon  95 Jahre alt.
Auf die Schülerfrage, ob sie denn nicht die Deutschen hassen müsste, für das was sie ihr angetan habe, antwortet sie:  „Ich habe gar kein Talent zum Hassen!“

 


Text: Rudolf Ostermann / Verein für multinationale Verständigung Rodgau e.V. (munaVeRo)/ 25.03.2021

Link zum HBS-Zeitzeugengespräch mit Trude Simonsohn:  https://www.youtube.com/watch?v=Mb4irtcCtFY