Ich bin gerne hier - Frau Stowasser und die HBS :)

Herr Winterhalder (Vorsitzender HBS Förderverein), Frau Stowasser (HBS Legende)
Herr Winterhalder (Vorsitzender HBS Förderverein), Frau Stowasser (HBS Legende)

Seit 1974 gibt es die Heinrich-Böll-Schule in Rodgau. Abertausende Kinder, Jugendliche und Erwachsene kamen und gingen. Nur ein Mensch ist ‚ihrer‘ Schule bis heute unentwegt  treugeblieben: Frau Stowasser! Sie leitet nach wie vor das Reinigungsteam an unserer Schule.

Aufgewachsen ist Frau Stowassser nach dem 2. Weltkrieg in einem kleinen Dorf in der Tschechoslowakei. Sie kann sich noch daran erinnern, dass sie und ihre Geschwister Schokolade bekommen haben vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen. Frau Stowasser erlernte den Beruf der Kinderkrankenschwester. Sie arbeitete nach der vierjährigen Ausbildung zunächst im Krankenhaus und danach in einem Kindererholungsheim. Später folgten eine Arztpraxis und eine Kindergrippe als Arbeitsstellen. Kinder liebt Frau Stowasser über alles.

Ende der 1960’er Jahre haben sie und ihr Mann beschlossen zu Verwandten in die Bundesrepublik Deutschland auszureisen. Als Kind war ihr Mann einst von Tschechen gehänselt worden, weil er Sudetendeutscher war. Er wollte seinem eigenen Kind dies ersparen. Die Staatsangehörigkeit der CSSR mussten sie abgeben und das Geld für die Schule und Ausbildung an den Staat zurückbezahlen als Bedingung für die Ausreiseerlaubnis.  In Deutschland war für Frau Stowasser besonders die Sprache und das Heimweh eine große Herausforderung. Sie hat viel gelesen, was ihr sehr geholfen hat. Bis heute fährt Frau Stowasser jedes Jahr zu Besuch in ihre ehemalige Heimat um ihre Schwester zu besuchen. Die politische Trennung zwischen der Slowakei und Tschechien nach Ende des Kalten Krieges beurteilt sie kritisch. Frau Stowasser und ihr Mann wurden nach ihrer Ausreise vom tschechoslowakischen Geheimdienst zu einer Mitarbeit gedrängt, beide haben dies aber abgelehnt. Gemeinsam mit ihrem Mann, zwei Söhnen und Enkeln könnte Frau Stowasser längst ihren wohlverdienten Ruhestand genießen. Dies macht sie auch, allerdings hat sie die HBS in ihr Freizeitprogramm integriert, wohl einmalig in Deutschland! Im Folgenden ein kleiner Auszug aus dem Interview, welches Herr Winterhalder mit Frau Stowasser kurz vor ihrem 75. Geburtstag geführt hat, zu welchem ihr die ganze HBS-Schulgemeinde von Herzen alles Gute wünscht.

  

F: Liebe Frau Stowasser, wie kamen Sie zur HBS  im Jahr 1974?

 

A: Meine Schwägerin hat mich angesprochen, ob ich hier nicht anfangen könnte. Ich hab die Sprache nicht gekannt und über sie hab ich hier mitgemacht und bin geblieben über 40 Jahre. Mir gefällt es hier und ich will auch bleiben, solange ich arbeiten kann.

 

F: Wie war der Kontakt mit Herrn Lach, dem ersten Schulleiter der HBS?

 

A: Mit Herrn Lach hab ich viel zu tun gehabt, wenn es Probleme gab, dann hab ich mit ihm gesprochen und er hat gut geholfen. Auch mit den Lehrern hat er gesprochen und uns gezeigt, dass wir nicht nur Putzfrauen sind, sondern dass wir auch gebraucht werden in der Schule. Da war mal ein Lehrer, der hat gesagt ‚ Die Schule ohne Reinigung ist wie keine Schule.‘ Das ist doch das A und O in der Schule, dass alles sauber ist.

Einmal gab es  Ärger, da hab ich gesagt ‚Jetzt reicht es mir. Ich höre auf.‘  Und dann hab ich mir gesagt –‚Andererseits jetzt nur wegen dieser Sache aufhören? Meine Frauen, wir sind wie eine Familie, da lass ich sie hängen? Ne!‘  -Da hab ich gesagt ‚Das mach ich nicht‘. Da hab ich wieder weiter gekämpft, bis heute. Ich bin nur am Kämpfen, und jetzt in der Coronazeit auch.

 

F: Wie viele waren Sie am Anfang?

 

A: Am Anfang waren wir zehn, obwohl die Schule nur halb so groß war. Jetzt sind wir acht. Zweimal pro Jahr machten wir die Grundreinigung, im Sommer und in den Winterferien.

Ich bin auch in der Gewerkschaft. Wenn etwas nicht stimmt, dann frage ich die Gewerkschaft.

 

F: Liebe Frau Stowasser, ganz herzlichen Dank für das Interview und vor allem für Ihre jahrzehntelange hervorragende Arbeit für alle Menschen, die in die Heinrich-Böll-Schule gekommen sind. :)

 

Text:  A. Winterhalder, 01.10.2020